EINE KATZE ALLEIN ZU HAUS

 

 

 

Ich musste ein paar Tage lang eine Katze, die ich schon lange kannte, und deren Mensch verreist war, in ihrem Zuhause versorgen. Bei meinem ersten Besuch fragte ich sie:

Meine lliebe Katze wie geht es dir hier, wenn dein Mensch verreist ist?

 

Sie wurde ganz aufgeregt, lief hin und her, jammerte:

Das ist nicht fair!

Er bleibt so lange weg, er hat mir nicht gesagt, dass du kommst, - dann wäre ich doch beruhigt gewesen.

Er hat auch den Hund mitgenommen, und ich habe niemanden zu meiner Gesellschaft..

Ja, jetzt bist du ja da. Da bin ich froh.

Aber ich weiß nicht, wie lange du bleibst?

 

Vielleicht eine halbe Stunde, antwortete ich.

 

Ach so.

Und alles ist verriegelt! Ich kann nicht hinaussehen, ich kann nicht hinauslaufen!

Das ist nicht fair! Ich bin doch sonst eine gute Katze.

 

Das bist du bestimmt, bestätigte ich.

Du bist eine wunderbare Katze, schön, anmutig, rücksichtsvoll, und, wenn’s drauf ankommt, sehr ernsthaft und verantwortungsvoll, wie bei der Erziehung deiner Katzenkinder.

 

Auch mein Katerfreund ist längst nicht mehr da, fuhr sie kummervoll fort. Er hat mich noch einmal kurz besucht, aber dann kam er nicht mehr wieder. Und das ist schon so lange her.

 

Was tust du denn so, wenn niemand zu Hause ist, so wie heute? erkundigte ich mich.

 

Hin und her laufen, warten, auf der Fensterbank sitzen, fressen, mich langweilen, mit der Gardine spielen, schlafen, warten, warten.

 

Das tut mir Leid, ich werde jeden Morgen und Abend kommen, am Freitag, am Samstag und am Sonntag. Dann kommt dein Mensch wieder. Und den Hund bringt er auch wieder mit. Es dauert also nicht so ganz lange.

Wie ist das für dich, wenn ich nun hier bin?

 

Beruhigend, erklärte sie mir.

Es geht mir nicht nur ums Fressen und ums Gestreicheltwerden. Es geht mir mehr um das Gefühl von Anwesenheit und nicht alleine zu sein.

 

Kannst du eigentlich meine Gedanken verstehen? fragte ich etwas beunruhigt, weil die Katze hierhin und dorthin lief, während ich mit ihr sprach.

 

Das merkst du doch. Ich muss dafür ja nicht immer an einer Stelle stehen bleiben! sagte sie, während sie weiter hin und her lief und keine Ruhe fand.

 

Ich frage jetzt mal was ganz anderes, sagte ich:

Was hältst du von deinem Menschen?

 

Oh, das ist eine sehr persönliche Frage, erwiderte sie.

Ich liebe ihn natürlich. Aber manchmal habe ich auch etwas Angst vor ihm. Er ist sehr unberechenbar in seinen Bewegungen. Dann erschrecke ich mich.

Wenn er in Ruhe ist, Fernsehen guckt oder schläft, genieße ich sehr seine Nähe. Dann kuschele ich mich an ihn und habe ihn ganz für mich.

 

Gibt es noch etwas, das du mir gerne mitteilen würdest? fragte ich die Katze.

 

Ich will nicht so allein sein.

Ich will einen Gefährten haben.

Ein Kater wie mein Katerfreund war, - das wäre was. Wir haben uns so gut verstanden. Wir konnten kuscheln und miteinander toben, zusammen auf Tour gehen oder miteinander reden, indem wir Bilder austauschten.

Ja, wir Katzen tauschen lieber Bilder aus als Worte.

Durch Bilder kann man sich wunderbar verstehen.

 

Liebe Katze, ich danke dir sehr für das Gespräch.

Morgen komme ich wieder.

 

 

                        © Ursula Sewing