IM GANG DER KLINGENDEN TEPPICHE

 

 

Schön war die Begegnung mit Almati.

In einem breiten langen Gang,

der dunkel erschien bis auf ein Leuchten hoch über mir,

das wie goldene Spinnweben war,

und ein farbiges Glühen in weiter Ferne,

streckte mir ein schönes, warmherziges Wesen

die Hände entgegen.

Es trug einen edel gemusterten Mantel in vielen Farben

und auf dem Kopf eine farbig-goldene Kopfbedeckung,

die nach vorne spitz zulief und

vor dem Gesicht heruntergebogen war

wie der lange Schnabel eines Vogels.

Das Wesen stellte sich vor: Es hieß Almati,

und wir waren auf einem Stern,

dessen Namen es mir nicht nannte,

irgendwo im Andromeda-Nebel, sagte es mir.

Hinter ihm stand ein langer goldener Tisch,

an dem viele Wesen mit ähnlichem Aussehen saßen.

Sie wirkten freundlich und heiter.

Ich begrüßte sie und sagte, dass ich von der Erde käme.

Ich sollte mich zu ihnen setzen, weil dies hier so Sitte sei,

und erhielt ein Getränk, das sehr süß

und zugleich bitter schmeckte.

 

Dann wollte Almati mir etwas zeigen.

Wir bogen nach links, es ging leicht hinab.

Der Weg führte durch einen breiten, hohen Gang,

an den Wänden schimmerten schmale goldene Lisenen,

die so hoch hinauf reichten,

dass ich ihr Ende nicht sehen konnte.

Zwischen ihnen hingen hohe Wandteppiche

in vielen Farben,

in denen Rot und Gold aufzuglühen schienen.

 

Almati sagte:

Wir haben sie selbst gewebt.

Sie sind unsere Schätze im doppelten Sinne.

Sie singen und klingen, wenn du sie berührst.

Sie geben dir Energie, wenn du an ihnen vorbeigehst.

Sie geben dir Freude.

Ja, wir erschaffen sie und sind glücklich darüber.

Wir verändern sie, wir schaffen sie immer neu,

noch kostbarer, noch schöner.

Wir verändern ihre Musik, so dass sie noch heller,

noch harmonischer, noch reiner klingt.

Es ist ein Orchester von Farben und Formen,

das wir sehen und hören.

Es sind Bilder, die von selber immer weiter wachsen.

Sie enthalten Wärme, die uns wärmt,

Glut, die uns glühen lässt,

Feuer, das in uns brennt.

Wir erschaffen uns unser eigenes Reich aus Schönheit.

Schönheit muss sich wandeln können.

Sie ist nur dann langweilig oder tot,

wenn sie sich nicht mehr verändern darf.

Bei uns verändert sie sich, wandelt

und entwickelt sie sich ständig.

 

Almati wuchsen Vogelflügel an den Seiten,

das bemerkte ich erst jetzt.

Am langen goldenen Tisch verabschiedete ich mich

von allen Wesen und von Almati.

Er berührte meine Fingerspitzen.

Ich umarmte ihn etwas scheu.

 

 

                                     © Ursula Sewing