GESPRÄCH MIT DEM HUND BUDDY ÜBER KRANKHEIT UND DEN WILLEN ZUM LEBEN

 

 

 

Moni hatte mich gebeten, mit ihrem Hund Buddy zu reden, der sehr krank war.

 

Lieber Buddy, begann ich das Gespräch, deine Moni und ich kennen uns. Sie ist ein sehr lieber Mensch. Sie möchte, dass ich einmal mit dir spreche.

 

Ich bin müde, antwortete Buddy. Aber meinetwegen.

 

Wie geht es dir jetzt? fragte ich.

 

Bin etwas traurig.

Alles ist so eng. Die ganze Atmosphäre hier.

Ich möchte, dass Moni glücklich ist.

Aber sie ist so gefangen in sich selbst, ihrem Kummer und ihren Schmerzen.

Ich versuche, ihr das abzunehmen, doch es scheint sinnlos. Denn Moni geht es immer noch nicht besser.

 

Und wie geht es dir selbst? fragte ich ihn.

 

Das kann ich gar nicht so trennen. Wenn es Moni nicht gut geht, kann ich gar nicht glücklich sein.

Da bin ich ganz abhängig von ihr.

 

Ich würde gern etwas zu deiner Heilung beitragen, denn das würde Moni auch froher machen, schlug ich vor.

Bitte, zeige mir, was passiert, wenn du die epileptischen Anfälle bekommst.

 

Es fühlt sich an wie Balken im Kopf, begann Buddy.

Sie drücken, sie bremsen. Im Oberkopf rechts und links.

Da hat sich etwas gestaut.

Da muss etwas aufgelöst werden.

Es möchte fließen.

Es tut nicht weh, es ist eher wie ein starker Druck, wie eine Zange, die mein Gehirn von beiden Seiten zusammenpresst.

 

Etwas bedrängt mich.

Etwas verdreht sich in mir und knebelt mich.

Es beginnt im Hals, rechts, steigt höher zum Kopf.

Der Druck wird so stark, dass ich mich selbst wie erdrückt fühle, oder wie an die Wand gedrückt.

Es ist ein verzweifeltes Gefühl, aus dem ich raus will.

Aber es ist stärker als ich. Es verselbständigt sich.

Es ist gar nicht mehr mein Gefühl.

Aber es beherrscht mich.

Ich sehe Wellen und verworrene Muster in meinem Kopf, die ich nicht beruhigen kann. Der Druck setzt sich zur Mitte des Kopfes hin fort.

Und irgendwann wird mir schwarz vor Augen.

Ich weiß nicht mehr, was mit mir geschieht, oder was ich tue.

 

Und später schäme ich mich dafür.

Danach tut der ganze Kopf so weh.

Als habe mir jemand mit einem Stock draufgeschlagen.

Dann dauert es lange, bis ich mich wieder einigermaßen normal fühle. Nein, das ist nicht schön.

 

Lieber Buddy, es tut mir wirklich Leid.

Aber ich danke dir für deine Bereitwilligkeit, mich in dich hineinfühlen zu dürfen. Danke, dass ich es nun besser nachvollziehen kann.

Ich werde versuchen, diese Blockaden aufzulösen.

Wir geben beide die Hoffnung nicht auf, Buddy, einverstanden?

 

Ja, sicher. Danke.

 

Lieber Buddy, ich soll dich auch von Moni fragen, ob dir dein Leben noch lieb ist, da du so oft leiden musst.

 

Ja, aber ja, natürlich!

Ich will leben und noch vieles erleben!

Alles gehört im Leben dazu.

Die Höhen und die Tiefen.

Das Leben ist spannend.

Alles ist gut, so wie es ist. Sag ihr das.

Du weißt ja, ich übernehme viel von Moni, und das will ich auch weiter tun. Sie hat so viel zu leiden.

Da nehme ich ihr gerne manches ab.

Es ist nicht so schlimm für mich.

 

Ja, lieber Buddy. Gibt es noch etwas, das ich Moni sagen sollte?

 

Ja, sag ihr Folgendes:

Ich liebe sie sehr.

Es ist schön, dass ich bei ihr leben darf. Sie sorgt gut für mich.

Und besonders schön ist es, wenn sie lustig ist.

Ich lebe wirklich sehr gerne bei ihr. Ich hätte mir keine bessere Menschin wünschen können.

Manchmal schicke ich ihr Bilder. Sie soll versuchen, sie aufzufangen. Dann wird sie sehen, dass sie fast immer positiv sind.

Denn ich sehe das Leben positiv, und auch meine Krankheit kann mich nicht davon abhalten.

Wenn es nach mir ginge, könnte ich fast den ganzen Tag draußen sein und toben und spielen.

Ich bin sooo neugierig.

Ich möchte noch so viel erleben, so viel Neues sehen oder riechen. Es kann gar nicht genug sein.

Und ich glaube, das haben wir, Moni und ich, gemeinsam!

Deshalb kann ich sie so gut verstehen.

Deshalb fühle ich so stark, wie es ihr geht.

Auch Moni möchte raus ins Leben, trotz Krankheiten und Schmerzen. Wenn sie es doch täte.

Dann wären wir beide glücklicher.

Trotzdem: Ich bin glücklich, bei ihr zu sein, egal, was ist.

Sie soll vor allem verstehen, dass für mich alles gut ist, wie es ist.

Aber für sie selbst soll sie ihr Leben schöner machen.

Ja, sag ihr, ich will unbedingt leben!

Das Leben ist schön, trotz allem!

 

Lieber Buddy, ich danke dir für das Gespräch.

Du bist ein toller, tapferer Hund!

 

 

                                                                                    © Ursula Sewing